„Wir brauchen UnterstützerInnen in den Ämtern“

Was meine Frau und ich erlebt haben, ist ein Beispiel dafür, wie sich ein extrem integrationswilliger und tüchtiger Mensch an der Bürokratie abarbeitet und droht, an den Verwaltungsrichtlinien zu scheitern. Ausländer- und Aufenthaltsrecht wird mit allen seinen Sanktionen in Amtsstuben nach wie vor als Abwehrrecht begriffen.

M. ist mit 19 J. alleine nach Deutschland gekommen. Er hat seine Familie zurückgelassen, worunter er sehr leidet. Gleichzeitig strengt er sich extrem an, will die in ihn gesetzten Hoffnungen der Familie nicht enttäuschen.

In seinem Fall zeigt sich die Problematik der Unterbringung in Sammellagern wie im Brennglas. M. musste sich seinen Container unter anderem mit einem deutlich älteren Syrer teilen, der mit Drogen handelte. Es kam immer wieder zu Streitereien, die böse enden hätten können.

Zum Glück hat M. eine Wohnung gefunden, doch ohne die Begleitung zum Jobcenter durch meine Frau, die Juristin ist, wäre der Mietvertrag nicht zustande gekommen. Auch das Übergangsgeld wurde nur nach Diskussion gewährt. Wir haben den Eindruck gewonnen, dass Flüchtlinge dort teilweise als lästige Bittsteller empfunden werden. Man legt ihnen Steine in den Weg, statt Integration zu fördern und zu unterstützen.

Wir brauchen UnterstützerInnen in den Ämtern und Behörden. Wir brauchen ein Leitbild, das darauf beruht, den Menschen zu vertrauen und ihnen Raum und Möglichkeit zur Entfaltung zu geben.

M. wird hoffentlich bald eine Lehrstelle antreten dürfen. Ich bin mir sicher, dass er seinen Weg gehen wird und hoffe, dass er sein Lachen behält. Seit kurzem ist er bei der Freiwilligen Feuerwehr aktiv. “Deutschland hat mir geholfen und ich möchte auch Deutschland helfen.” Hat er gesagt. Und er tut es!

M.R. aus München