Familie Biel

„Wie soll da Integration gelingen?“
Als das Ehepaar Marita und Reiner Biel aus Germering im SZ Adventskalender die Geschichte dreier syrischer Brüder las, wollten sie die jungen Flüchtlinge sofort bei sich aufnehmen. „Wir haben ein großes Haus und die Kinder sind längst ausgezogen“, sagt Sozialpädagogin Biel. Sie und ihr Mann fühlen sich ein wenig einsam und wollten gerne den drei Jugendlichen eine neue Heimat bieten.  „Die sind nur unter sich, wie soll da Integration gelingen?“ fragt Frau Biel zu Recht.  Das Ehepaar Biel hat seit Jan. regelmäßig Kontakt zu den Brüder aber leider dürfen sie nicht einziehen. Kontakt mit den Behörden bleibt erfolglos, auf entsprechende Schreiben wird nicht reagiert. Einer der Brüder ist mittlerweile anerkannt , die beiden anderen nicht. Die Eheleute Biel lassen die drei Jungs oft übers Wochenende nach Germering kommen, sie übernehmen hier sämtliche Fahrtkosten.  Bashar, Georg und Giath fühlen sich sehr wohl und es fällt ihnen schwer, wieder nach Traunreuth zurück zu müssen, wo sie derzeit untergebracht sind. Dadurch verlieren sie viel Zeit, die sie längst im engen Kontakt mit den Biels besser nutzen könnten – zum Deutsch lernen, für Schule und Ausbildung. „Sie würden bei uns leben wie unsere Söhne“, bestätigt Frau Biel, die auch anderen Menschen Mut macht, Flüchtlinge aufzunehmen.

Mittlerweile hat sich die Situation verbessert. Den Jüngsten haben die Biels als Pflegekind aufgenommen, der Mittlere ist anerkannt und durfte sowieso umziehen. Beide wurden als Gastschüler am örtlichen Gymnasium aufgenommen. Der Älteste kommt häufig zu Besuch. Sein Verfahren läuft noch. Jetzt kann Frau Biel den Alltag mit Flüchtlingen schildern – und der ist leider nicht immer stressfrei: „Durch den langen Aufenthalt in der Unterkunft haben die Jungs Aggressionen aufgebaut, wenig Rhythmus, schlafen sehr viel und es ist schon mühsam, sie in unser Leben mit einzubeziehen“. Kein Wunder, dass sie manchmal an ihre Grenzen gelangt.

Marita und Reiner Biel aus Germering