„Extrem kontraproduktiv“
Meine inzwischen erwachsenen vier Kinder sind alle ausgezogen. Und nun gibt es einige nicht mehr genutzte Zimmer in meinem Haus. Warum also nicht einen oder maximal zwei Asylsuchende bei mir aufnehmen?

Ich lebe in Penzberg, einer Kleinstadt mit 17.000 Einwohnern, wo es Menschen aus aktuell 85 Nationen gibt. Multi-Kulti ist mir also nicht fremd, zudem mit einem Schwiegersohn aus Peru. Und die Situation von Flüchtlingen ist mir auch klar, weil ich schon seit über einem Jahr im lokalen Helferkreis für Asylsuchende mitarbeite.

Leider sind die Hürden da sehr hoch und bisher hat das zuständige Landratsamt Weilheim-Schongau mir klar signalisiert, dass es nur an der Aufnahme von Familien interessiert ist und nicht von Einzelpersonen (wo sollen die bleiben?). Erschwerend kommt dazu, dass man in unserem Landkreis vorab einen langfristigen Mietvertrag abschließen soll, Minimum 1 Jahr, aber besser bis zu 10 Jahren. Für mich als Rentner mit 65 Jahren ist das einfach nicht akzeptabel.

Aber am schlimmsten ist, dass ich nach aktuellem Stand noch nicht einmal die Möglichkeit haben soll, den Flüchtling vor der Aufnahme in meinem Haus kennenzulernen. Ich bin nur dreisprachig, also Bonner Dialekt, Hochdeutsch und Englisch. Aber z.B. Arabisch oder Farsi kann und will ich nicht mehr lernen. Was aber wäre, wenn der Asylsuchende noch nicht einmal Brocken meiner drei Sprachen spricht und versteht? Also, ohne vorheriges Kennenlernen, ist das für mich ein absolutes „No-Go“.

Ich betrachte deshalb die derzeitigen Vorgaben vom Gesetzgeber und den Behörden für eine Privatvermietung als extrem kontraproduktiv: In unserem Landkreis gibt es sehr viele offene Stellen, aber praktisch keinen frei verfügbaren Wohnraum. Und wenn dann so hohe Hürden für die Privatvermittlung existieren, werden viele Asylsuchende noch sehr lange in Unterkünften leben müssen.

Heinz Wiese
(Name geändert, aber den Initiatoren bekannt)